Meine Lebensgeschichte – vom Sportler zum Rollstuhlfahrer

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einem anderen Land leben würde. Zwar war ich oft im Ausland, aber ich war immer froh, wieder nach Hause zurückzukehren. 1989 kamen bei uns in Ungarn zum allerersten Male die Satellitenkanäle auf. Es war ein seltsames Gefühl zu sehen, dass Europa auf der Landkarte nur bis Österreich reichte und die übrigen Länder als Teil der Sowjetunion dargestellt wurden.

Ein Leben voller Bewegung

Imre Kranz als Trainer – sportliche Vergangenheit vor dem Rollstuhl
Als Trainer

Seit meiner Kindheit war Bewegung für mich etwas ganz Natürliches. Schwellen, Bordsteinkanten oder Treppen stellten nie ein Problem dar. Ich habe Sport getrieben, Volkstanz gemacht, Fußball gespielt und war Trainer beim bekanntesten ungarischen Verein. Ich bin mühelos in die Straßenbahn oder die U-Bahn gestiegen. Bewegung war Teil meines Alltags.

Der Tag, der alles veränderte

Am 21. Mai 2004 kam der Zusammenbruch. In letzter Minute kam ich ins Krankenhaus. Ich musste eineinhalb Jahre dortbleiben. Als ich endlich entlassen wurde, konnte ich nicht mehr gehen – ich konnte nur noch rollen. Der Rollstuhl veränderte mein ganzes Leben und stellte auch den Alltag meiner Familie auf den Kopf.

Meine rechte Seite war vollständig gelähmt, und ich konnte meine Gliedmaßen nicht mehr benutzen. Auch meine Sprache wurde unverständlich. Das war für mich besonders schwer, denn es brachte viele Missverständnisse und Frustrationen.

Alltag im Rollstuhl

Die Fortbewegung war nun kompliziert. Ich musste jeden Weg genau planen. Obwohl ich ein Auto hatte, blieb Reisen schwierig. Zum Glück war der Kindergarten meiner Kinder in der Nähe, sodass ich sie mit dem Rollstuhl begleiten konnte. Mein Radius war jedoch auf etwa vier Kilometer beschränkt.

Auch die Wohnung war nicht geeignet. Türen, Schwellen und Möbel mussten umgebaut oder entfernt werden. Es war frustrierend, nicht mit meinen Kindern auf den Spielplatz oder ins Kino gehen zu können.

Ein neuer Anfang

2007 konnte ich einen Webdesign-Kurs absolvieren. Ich lernte, mit Dreamweaver umzugehen, und bestand 2008 die Prüfung zum „Software Manager and Web Designer“. Seitdem habe ich mehrere Websites erstellt, darunter auch eine für die Firma meiner Frau. Außerdem habe ich gelernt, Bilder und Videos zu bearbeiten. Das gab mir ein neues Ziel und half mir, ein Stück Unabhängigkeit zurückzugewinnen.