Barrierefreies(?) Hotel in Bad Ischl – unsere Erfahrung
Endlich war es soweit: Am 8. August fuhren wir nach Bad Ischl, um unseren 25. Hochzeitstag zu feiern. Wir freuten uns auf ein paar schöne Tage und eine entspannte Reise. Besonders wichtig war für mich natürlich die Frage, ob unser Hotel in Bad Ischl meinen Anforderungen als Rollstuhlfahrer tatsächlich entsprechen würde.
Die Zugfahrt von Graz nach Bad Ischl
Wir stiegen am Grazer Hauptbahnhof ein. Der Zug war ein Niederflurzug und verfügte über einen eigenen Rollstuhlplatz. Das machte den Einstieg für mich angenehm und unkompliziert.

Kurz nach der Abfahrt bemerkten wir etwas Interessantes: Einige Fahrgäste liefen zwischen den beiden Zugteilen hin und her. Der Grund war, dass der vordere Zugteil nach Bruck und weiter nach Innsbruck fuhr, während der hintere Zugteil nach Klagenfurt unterwegs war.
Nachdem jeder seinen richtigen Platz gefunden hatte, konnten wir die Fahrt genießen. Die Strecke führte durch wunderschöne Landschaften mit Bergen, Tälern und kleinen Seen. Nach einem Umstieg erreichten wir am Nachmittag Bad Ischl.
Vom Bahnhof gingen wir noch ein kurzes Stück zu unserem Hotel. Die Vorfreude auf unseren Hochzeitstag war groß.
Der erste Eindruck vom Hotel
Am Eingang erwartete uns allerdings bereits die erste kleine Herausforderung. Vor der Eingangstür gab es eine Stufe, und die Tür lag sehr nah an dieser Stufe. Dadurch war der Zugang mit dem Rollstuhl schwierig.
Nachdem auch diese Hürde überwunden war, konnten wir schnell einchecken und unser Zimmer beziehen.
Das Zimmer selbst war recht groß und etwas eigenwillig eingerichtet. Für mich war vor allem wichtig, ob ich mich mit dem Rollstuhl darin gut bewegen konnte. Das war tatsächlich möglich.
Danach kontrollierten wir natürlich sofort die Toilette und das Badezimmer. Für mich sind dabei bestimmte Dinge besonders wichtig: Haltegriffe neben der Toilette, genügend Bewegungsfläche und ein stabiler Sitz zum Duschen.
Leider erfüllte das Badezimmer diese Anforderungen nicht.
Das Badezimmer – nicht wirklich barrierefrei
Durch die WC-Tür passte ich mit meinem Rollstuhl kaum hindurch. Beim Hinausfahren stieß ich mehrmals gegen den Türrahmen. Auch das Schließen der Tür war für mich ein großes Problem.
Ich musste mich in eine Ecke zurückziehen und anschließend mit der Hand nach hinten greifen, um die Tür mit großer Mühe schließen zu können.



Neben der Toilette gab es keinen geeigneten Haltegriff. Stattdessen stand dort ein riesiges Waschbecken, das zusätzlich Platz wegnahm und meine Bewegungsfreiheit einschränkte.
Auch im Badezimmer gab es zwar einen Haltegriff, aber dieser war für mich kaum hilfreich. Das Personal suchte außerdem ein Plastikhockerl als Duschsitz. Dieses machte allerdings keinen besonders stabilen Eindruck. Ich würde sogar einem gesunden Mensch nicht raten, darauf zu sitzen.
Schließlich konnten wir mit viel Mühe einen stabileren und wasserfesten Stuhl zum Duschen organisieren.
Auch das Waschbecken war für einen Rollstuhlfahrer sehr hoch und weit entfernt. Beim Zähneputzen konnte ich deshalb nicht einmal bequem in das Waschbecken spucken. Ich benutzte dafür lieber das Waschbecken im WC.
Was bedeutet barrierefrei wirklich?
Diese Erfahrung hat mir wieder gezeigt, dass die Bezeichnung barrierefreies Hotel allein nicht viel aussagt. Ein Hotel kann zwar über ein großes Zimmer verfügen, aber trotzdem für einen Rollstuhlfahrer ungeeignet sein.
Für mich bedeutet Barrierefreiheit mehr als eine stufenlose Eingangstür. Ich brauche ausreichend Platz, eine geeignete Toilette, stabile Haltegriffe, einen sicheren Duschsitz und ein Waschbecken, das ich vom Rollstuhl aus erreichen kann.
Genau deshalb schaue ich mir bei der Hotelbuchung nicht nur die Fotos des Zimmers an. Besonders wichtig sind für mich die Details im Badezimmer.
Der Abend zum Hochzeitstag
Nachdem wir die verschiedenen Probleme gelöst hatten, konnten wir endlich unseren Abend genießen. Wir gingen zum Essen und bestellten einen großen Salat. Danach gab es noch einen mit Vanilleeis gefüllten Palatschinken.
So endete unser erster Tag in Bad Ischl trotz einiger Schwierigkeiten doch noch gemütlich.
Fazit
Dieser Aufenthalt hat mir erneut gezeigt, wie wichtig es ist, die Barrierefreiheit eines Hotels gründlich zu prüfen. Dass ein Zimmer geräumig ist, bedeutet noch lange nicht, dass auch das Badezimmer für Gäste im Rollstuhl geeignet ist.
Wer in Bad Ischl oder anderswo ein barrierefreies Hotel sucht, sollte sich daher vor der Buchung genau erkundigen. (Obwohl mir per E-Mail mitgeteilt wurde, dass es barrierefrei sei!) Besonders wichtig sind dabei die Toilette, die Haltegriffe, die Dusche, der Duschsitz, die Türbreite und das Waschbecken.
Solche Erfahrungsberichte sind mir wichtig, denn so können andere Rollstuhlfahrer vielleicht besser einschätzen, worauf sie bei einer Hotelbuchung achten müssen.
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